Flitterwochen
Heiraten rund um den Globus: Hochzeit in Sri Lanka
Ein Astrologe bestimmt den Zeitpunkt, das heilige Feuer bezeugt den Bund: Hochzeiten in Sri Lanka sind voller jahrhundertealter Rituale am Indischen Ozean.
Redaktion Hochzeit Brautinfo4 Min. Lesezeit

Sri Lanka ist ein Land vieler Kulturen und Religionen, und das spiegelt sich auch bei Hochzeiten wider. Die Mehrheit der Bevölkerung sind buddhistische Singhalesen, daneben leben vor allem im Norden und Osten tamilische Hindus, außerdem Muslime und Christen. Wir stellen euch zuerst die tamilisch-hinduistische Hochzeit vor und werfen dann einen Blick auf die singhalesische Poruwa-Zeremonie.
Die tamilisch-hinduistische Hochzeit
Für tamilische Hindus ist die Hochzeit ein Sakrament im Einklang mit den Veden, den heiligen Schriften des Hinduismus. Nicht ein Vertrag, sondern das heilige Feuer bezeugt die Zeremonie. Damit die Ehe auch staatlich gültig ist, wird sie zusätzlich offiziell registriert.
Die Veden sind in der alten Sprache Sanskrit verfasst, und die Brahmanen-Priester rezitieren während der Hochzeit daraus. Zu den Vorbereitungen gehören:
- die Bestimmung des glücksverheißenden Zeitpunkts durch einen Astrologen,
- die Verlobung,
- die Zeremonie des Goldschmelzens.
Beim Goldschmelzen übergibt die Familie des Bräutigams Gold an einen Goldschmied, der daraus in einem feierlichen Ritual das Thaali formt, den Anhänger der Hochzeitskette der Braut.
Der Hochzeitstag
Der Hochzeitstag beginnt für Braut und Bräutigam mit Fasten. Der Bruder der Braut kommt gemeinsam mit einigen verheirateten Paaren aus der Verwandtschaft zum Haus des Bräutigams und begleitet ihn zum Hochzeitssaal. Der Bräutigam trägt ein traditionelles Gewand in Weiß, Elfenbein oder Beige, häufig einen Veshti, ein um die Hüften gewickeltes Tuch.
Die Eltern der Braut führen ihn dann zum Manavarai, einem mit Blumen geschmückten Hochzeitsaltar, wo der Priester bereits wartet. Begleitet wird der Einzug von traditioneller Musik mit Flöten und Trommeln. Danach betritt die Braut den Raum, in Seide gekleidet, mit Blumen im Haar und begleitet von Blumenmädchen.
Es folgen Gebete, unter anderem an die neun Himmelskörper der hinduistischen Astrologie. Dann legt der Vater der Braut ihre Hand in die des Bräutigams, während heilige Verse rezitiert werden. Das heilige Feuer wird entzündet, und man bittet Agni, den Gott des Feuers, der Hochzeit beizuwohnen.
Der Bräutigam überreicht der Braut nun den Hochzeits-Sari und heißt sie in seiner Familie willkommen. Der traditionelle Hochzeits-Sari ist rot, die Farbe steht für Glück und Fruchtbarkeit. Gekauft wird er meist von der Familie des Bräutigams. Die Braut zieht sich zurück, legt den Sari an und kehrt zum Altar zurück. Dort legen sich Braut und Bräutigam Blumengirlanden um, als Zeichen ihres Einverständnisses.
Die Thaali-Zeremonie
Krönender Höhepunkt der Hochzeit ist die Thaali-Zeremonie. Der Bräutigam legt der Braut die Thaali-Kette um den Hals. Traditionell hängt der Anhänger an einem gelben, mit Kurkuma gefärbten Faden, den der Bräutigam mit drei Knoten im Nacken der Braut verknüpft. Die Knoten werden oft so gedeutet:
- der erste Knoten für den Ehemann,
- der zweite für ihre eigene Familie,
- der dritte für die neue Familie, in die sie einheiratet.
Danach setzt der Bräutigam der Braut einen roten Punkt auf die Stirn, das Zeichen einer verheirateten Hindu-Frau.
Anschließend umrunden Braut und Bräutigam mehrmals im Uhrzeigersinn das heilige Feuer, um Agni ihre Ehrerbietung zu zeigen, während der Priester Verse rezitiert. Danach bringt das Paar Opfergaben wie Getreide, Honig und Früchte dar. Der Priester segnet die beiden und streut Reis über sie, ein Symbol für Glück, Wohlstand und Fruchtbarkeit. Danach tun es ihm die Eltern, die Verwandten und zum Schluss alle Gäste gleich.
Zum Fest wird meist ein vegetarisches Essen serviert, und anders als bei einer typischen österreichischen Hochzeit wird oft ganz ohne Alkohol angestoßen.
Die singhalesische Poruwa-Zeremonie
Bei buddhistischen Singhalesen steht die Poruwa-Zeremonie im Mittelpunkt. Das Brautpaar steht dabei auf der Poruwa, einer festlich geschmückten Holzplattform. Auch hier bestimmt ein Astrologe den glücksverheißenden Moment, die sogenannte Nekath-Zeit.
Zu den typischen Ritualen gehört, dass die kleinen Finger des Paares mit einem Faden verbunden werden und Wasser darüber gegossen wird, als Zeichen des unzertrennlichen Bundes. Mädchen in weißen Kleidern singen dazu Segensverse. Die Braut trägt häufig einen Sari im traditionellen Kandy-Stil, der Bräutigam die prächtige Tracht der früheren Adligen.
Und wenn ihr selbst im Ausland heiraten wollt?
Wer sich von fremden Bräuchen inspirieren lässt, muss nicht gleich auswandern: Viele Rituale lassen sich liebevoll in eine freie Trauung oder die Feier in Österreich einbauen. Wollt ihr tatsächlich im Ausland heiraten, klärt vorab, welche Dokumente ihr braucht und wie die Ehe in Österreich anerkannt wird. Einen guten Überblick gibt unser Ratgeber Standesamtlich heiraten in Österreich.
Sri Lanka ist auch als Flitterwochenziel mit Tempeln, Teeplantagen und Stränden sehr beliebt. Ideen findet ihr in unserer Kategorie Hochzeitsreise und Flitterwochen.
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Häufige Fragen
Was ist ein Thaali?
Das Thaali ist die Hochzeitskette einer tamilisch-hinduistischen Braut. Der Bräutigam legt sie ihr während der Zeremonie um und verknotet den Faden mit drei Knoten.
Was ist eine Poruwa-Zeremonie?
Die Poruwa-Zeremonie ist die traditionelle Hochzeit der buddhistischen Singhalesen in Sri Lanka. Das Paar steht auf einer geschmückten Plattform, die kleinen Finger werden mit einem Faden verbunden und mit Wasser übergossen.
Warum bestimmt ein Astrologe den Hochzeitstermin in Sri Lanka?
In Sri Lanka gilt die Wahl des richtigen Moments als entscheidend für eine glückliche Ehe. Deshalb legt ein Astrologe den genauen Zeitpunkt für die wichtigsten Rituale fest.


