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Bräuche und Trauung

Die altkatholische Trauung: Ablauf, Voraussetzungen und Haltung

Wiederheirat nach Scheidung, konfessionsverbindende Ehe, Segnung gleichgeschlechtlicher Paare: Was die altkatholische Trauung ausmacht und wie ihr sie vorbereitet.

Redaktion Hochzeit Brautinfo3 Min. Lesezeit

Die altkatholische Trauung: Ablauf, Voraussetzungen und Haltung, Bild 1

Die Altkatholische Kirche ist eine katholische Kirche, die vom Papst in Rom unabhängig ist und von Bischof und Synode gemeinsam geleitet wird. Sie versteht sich als offen und ökumenisch und möchte Menschen mit ihren Sorgen und Fragen zur Seite stehen. Das gilt auch für die Vorbereitung auf das Leben zu zweit, auf die Hochzeit und die Gründung einer Familie.

Der erste Schritt: das Gespräch mit dem Geistlichen

Wenn ihr altkatholisch heiraten möchtet, beginnt alles mit einem Gespräch mit dem zuständigen Geistlichen. Dort erfahrt ihr mehr über die Kirche und alles, was mit der Trauung verbunden ist. Wichtig: Mindestens einer von euch beiden muss der Altkatholischen Kirche angehören.

Standesamt zuerst, dann die Ehesegnung

Die Ehe ist in der Altkatholischen Kirche eines der sieben Sakramente. Die standesamtliche Eheschließung wird als rechtsgültiger Vertrag anerkannt und vorausgesetzt. Das entspricht auch der Rechtslage in Österreich: Nur die standesamtliche Trauung ist rechtsgültig. Ihr heiratet also zuerst am Standesamt und kommt danach als Ehepaar zur kirchlichen Feier. Was ihr dafür braucht, lest ihr in unserem Ratgeber Standesamtlich heiraten in Österreich.

Die kirchliche Ehesegnung ist geprägt vom Vertrauen in die Menschenfreundlichkeit Gottes. Die Brautleute vertrauen darauf, dass Gott der Urheber ihrer Gemeinschaft ist und durch Jesus Christus im Heiligen Geist die Mitte ihrer Liebe bildet. Die Ehe ist demnach nicht nur ein „weltlich Ding“, wie Martin Luther sie nannte. Sie weist über das Leben beider hinaus, die sich mit Leib und Seele, in körperlicher, romantischer und selbstloser Liebe einander schenken und anvertrauen.

Ein Unterschied zur römisch-katholischen Sicht

In der römisch-katholischen Theologie spenden sich die Brautleute das Ehesakrament durch ihr Jawort gegenseitig. Nach altkatholischem Verständnis wird die Ehegemeinschaft darüber hinaus durch das Weihegebet des Geistlichen über das Paar begründet, gesprochen „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“.

Wiederheirat nach einer Scheidung

Die Altkatholische Kirche hält an der grundsätzlichen Unauflöslichkeit der Ehe fest, weiß aber auch, dass Ehen scheitern können. Deshalb ist die Wiederheirat Geschiedener möglich. Wer einen Neuanfang wagt, soll nicht zurückgewiesen werden.

Geschiedene, Wiederverheiratete und alleinerziehende Geschiedene sind nach altkatholischer Auffassung ausdrücklich zu den Sakramenten eingeladen, auch zur Kommunion.

Konfessionsverbindende Ehe

Gehört einer von euch einer anderen christlichen Kirche an, ist das kein Hindernis. Eine altkatholische Trauung kann unter Mitwirkung eines Geistlichen einer anderen christlichen Konfession gefeiert werden, und umgekehrt. Man spricht dann von einer konfessionsverbindenden Ehe.

Ehealltag und Familienplanung

Was das Leben in der Ehe betrifft, entscheiden die Eheleute in Freiheit und Eigenverantwortung, auch über die Wahl der Mittel zur Familienplanung. Die Kirche mischt sich hier nicht ein. Es gelten gegenseitige Rücksichtnahme und Liebe, und der Schutz vor Infektionen etwa durch Kondome wird aus medizinischen Gründen ausdrücklich befürwortet.

Das Gewissen gilt als höchste Entscheidungsinstanz des mündigen Menschen. Die Kirche respektiert daher die Gewissensentscheidung jedes Mitglieds, auch im Bereich der Familienplanung und Sexualität. Maßstab bleibt stets der Respekt vor der Würde der Mitmenschen und der gesamten Schöpfung.

Segnung für gleichgeschlechtliche Paare

Darüber hinaus kennt die Altkatholische Kirche die Segnung von auf Dauer angelegten Partnerschaften, abgeleitet vom Sakrament der Ehe. Das gilt für heterosexuelle ebenso wie für gleichgeschlechtliche Paare, die einander Liebe, Treue, Verlässlichkeit und gegenseitige Fürsorge versprechen. Standesamtlich steht die Ehe in Österreich seit 2019 allen Paaren offen.

Was ihr für die Planung wissen solltet

  • Nehmt früh Kontakt mit der Pfarrgemeinde auf, die Altkatholische Kirche hat in Österreich vergleichsweise wenige Gemeinden.
  • Plant den Termin am Standesamt vor der kirchlichen Feier ein.
  • Klärt im Gespräch, ob ein Geistlicher einer anderen Konfession mitwirken soll.
  • Fragt nach, ob die Feier auch an einem anderen Ort als in der Kirche möglich ist, falls ihr das wünscht.

Weitere Informationen

Aktuelle Informationen und die Kontakte der Pfarrgemeinden findet ihr auf der Website der Altkatholischen Kirche Österreichs. Die Kirchenleitung hat ihren Sitz in Wien.

Häufige Fragen

Kann man altkatholisch heiraten, wenn man geschieden ist?

Ja, die Altkatholische Kirche ermöglicht die Wiederheirat Geschiedener. Voraussetzung ist unter anderem, dass mindestens einer von euch der Altkatholischen Kirche angehört.

Segnet die Altkatholische Kirche gleichgeschlechtliche Paare?

Ja, die Altkatholische Kirche kennt die Segnung dauerhafter Partnerschaften, auch gleichgeschlechtlicher. Rechtsgültig verheiratet seid ihr in Österreich aber nur durch das Standesamt.

Ist eine altkatholische Trauung rechtsgültig?

Nein, in Österreich ist nur die standesamtliche Trauung rechtsgültig. Die Altkatholische Kirche setzt die standesamtliche Ehe voraus und feiert danach die kirchliche Ehesegnung.

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