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Bräuche und Trauung

Die muslimische Trauung: Nikah, Ehevertrag und Brautgabe

Die muslimische Eheschließung ist eine kurze, aber emotional sehr bedeutende Zeremonie. Was die Nikah ausmacht, welche Dokumente ihr braucht und was im Ehevertrag steht.

Redaktion Hochzeit Brautinfo2 Min. Lesezeit

Die muslimische Trauung: Nikah, Ehevertrag und Brautgabe, Bild 1

„Er hat Liebe und Barmherzigkeit zwischen euch gesetzt“, heißt es im Koran über die Ehe. Die muslimische Eheschließung ist eine kurze Zeremonie, aber für viele Paare emotional von großer Bedeutung.

Die Nikah: ein schlichter Vertragsabschluss

Im Islam ist die Eheschließung ein sehr schlichter Akt, ein Vertragsabschluss, der Nikah genannt wird. Mann und Frau erklären ihren freien Willen, miteinander die Ehe einzugehen. Das geschieht vor einer theologisch kundigen und angesehenen Person, häufig dem Imam einer Moschee, und in Anwesenheit von mindestens zwei Zeugen.

Religiöse und standesamtliche Ehe

Für viele Musliminnen und Muslime ist die feierliche Eheerklärung im religiösen Rahmen die „richtige“ Hochzeit, die auch moralisch verbindlich ist. Rechtlich gilt in Österreich aber: Nur die standesamtlich geschlossene Ehe ist rechtsgültig. Die Nikah wird daher in der Regel nach dem Standesamt gefeiert. Was ihr für die standesamtliche Trauung braucht, lest ihr in unserem Ratgeber Standesamtlich heiraten in Österreich.

Umgekehrt muss sich niemand, der ausschließlich standesamtlich geheiratet hat, nach Auffassung der Islamischen Glaubensgemeinschaft „vor Gott unverheiratet“ fühlen. Das ist für Gläubige wichtig, denn nach islamischem Verständnis gehört das Zusammenleben als Paar in die Ehe.

Dokumente für die muslimische Eheschließung

Für die religiöse Eheschließung bei der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich bringt ihr in der Regel mit:

  • Amtlichen Lichtbildausweis
  • Meldezettel
  • Geburtsurkunde
  • Nachweis, dass ihr nicht verheiratet seid, bzw. die Heiratsurkunde vom Standesamt

Klärt die genauen Unterlagen vorab mit der Glaubensgemeinschaft oder eurer Moscheegemeinde ab.

Der Ehevertrag

Der islamische Ehevertrag sollte schriftlich festgehalten werden. Darin könnt ihr ganz unterschiedliche Vereinbarungen aufnehmen, von der Familienplanung bis zum gemeinsamen Wohnort. Die Islamische Glaubensgemeinschaft empfiehlt, diese Chance einer individuell gestalteten Ehevereinbarung zu nutzen, um sich bewusst über die gemeinsame Lebensführung Gedanken zu machen. Sie bietet dazu Beratung an und nimmt die muslimische Eheschließung vor.

Die Brautgabe (Mahr)

Fixer Bestandteil des Vertrags sollte eine Vereinbarung über die Brautgabe, die Mahr, sein. Sie steht ausschließlich der Frau zu und dient ihrer Absicherung, etwa wenn der Mann die Scheidung herbeiführt. Die Höhe ist nicht begrenzt und wird gemeinsam vereinbart. Fällig wird die Mahr auch beim Tod des Ehemannes, als sofortige Überbrückungshilfe für die Frau, noch vor der Aufteilung des Erbes und ohne dass sie von ihrem Erbteil abgezogen wird.

Kein „Brautpreis“

Auch wenn immer wieder von einem „Brautpreis“ die Rede ist: Eine muslimische Frau darf von ihrer Familie nicht „verkauft“ oder „abgelöst“ werden. Die Mahr ist ein Geschenk, das einzig der Ehefrau selbst zusteht.

Feiern nach der Nikah

Je nach Herkunft der Familien folgt auf die Nikah ein großes Fest mit vielen Gästen, Musik und traditionellen Speisen, oft auch mit einem Henna-Abend vor der Hochzeit. Wenn ihr eine große Feier plant, achtet bei Location und Catering darauf, dass Wünsche wie Halal-Küche oder ein alkoholfreies Getränkeangebot gut umgesetzt werden können.

Weitere Informationen

Auskünfte zur muslimischen Eheschließung in Österreich gibt die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) mit Sitz in Wien. Aktuelle Informationen findet ihr auf derislam.at.

Häufige Fragen

Ist eine muslimische Trauung in Österreich rechtsgültig?

Nein, in Österreich ist nur die standesamtliche Ehe rechtsgültig. Die Nikah wird in der Regel zusätzlich nach dem Standesamt gefeiert.

Was ist die Mahr bei der muslimischen Hochzeit?

Die Mahr ist die Brautgabe, die ausschließlich der Frau zusteht und ihrer finanziellen Absicherung dient. Ihre Höhe wird im Ehevertrag gemeinsam vereinbart.

Welche Dokumente braucht man für eine Nikah in Österreich?

In der Regel braucht ihr Lichtbildausweis, Meldezettel, Geburtsurkunde und einen Nachweis über euren Familienstand bzw. die standesamtliche Heiratsurkunde. Die genaue Liste klärt ihr mit der Glaubensgemeinschaft.

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