Bräuche und Trauung
Die orthodoxe Trauung: Kronen, Ringe und der Tanz Jesajas
Gesegnete Ringe, Hochzeitskronen und der gemeinsame Kelch: Die orthodoxe Trauung ist voller Symbolik. So läuft sie ab und das solltet ihr vorab wissen.
Redaktion Hochzeit Brautinfo3 Min. Lesezeit

„Die Liebe Christi zu seiner Kirche ist das Vorbild für die Liebe von Mann und Frau.“ Dieser Gedanke prägt die orthodoxe Trauung, die zu den symbolreichsten christlichen Hochzeitszeremonien gehört. Ob griechisch-, serbisch-, rumänisch- oder russisch-orthodox: Die Grundzüge der Feier sind in den orthodoxen Kirchen sehr ähnlich.
Voraussetzungen für die orthodoxe Trauung
In vielen Fragen stehen die orthodoxen Kirchen der katholischen Tradition nahe, die Ehe gilt als Sakrament (Mysterium). Einige Punkte solltet ihr vorab kennen:
- Konfessionsverschiedene Ehe: Sie ist möglich, wenn der nicht-orthodoxe Partner ein getaufter Christ ist.
- Wiederheirat: Eine erneute kirchliche Trauung nach einer Scheidung ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Nötig sind die zivile Scheidung und eine kirchliche Erlaubnis. Wie das im Einzelfall aussieht, klärt ihr mit eurer Gemeinde.
- Standesamt: In Österreich ist nur die standesamtliche Trauung rechtsgültig. Die kirchliche Feier folgt danach. Mehr dazu in unserem Ratgeber Standesamtlich heiraten in Österreich.
- Termin: In Fastenzeiten, etwa vor Ostern und Weihnachten, sowie an bestimmten Feiertagen finden keine Trauungen statt. Fragt deshalb früh nach freien Terminen.
Der Ablauf der Zeremonie
Die Trauung findet meist am Nachmittag oder frühen Abend statt. Sie besteht aus zwei Teilen, die heute direkt hintereinander gefeiert werden: dem Verlobungsritus und der eigentlichen Trauung, der Krönung.
Der Verlobungsritus mit den Ringen
Am Anfang steht die Verlobung. Der Priester segnet die Ringe, und sie werden dreimal zwischen Braut und Bräutigam getauscht, als Zeichen für die Dreifaltigkeit. Häufig übernimmt der Trauzeuge oder die Trauzeugin, in der orthodoxen Tradition auch Kum oder Koumbaros genannt, diesen Tausch. Die Ringe werden anschließend an die rechte Hand gesteckt.
Die Krönung
Höhepunkt der Feier ist die Krönung. Über den Köpfen des Brautpaares werden zwei Kronen gehalten oder aufgesetzt und dreimal getauscht. Sie stehen für die Würde des Paares, das ein neues kleines Reich, die Familie, begründet, und auch für die Bereitschaft, füreinander Opfer zu bringen.
Lesung und gemeinsamer Kelch
Danach wird aus dem Evangelium gelesen, und das Paar trinkt dreimal aus demselben Becher Wein. Das steht für die tiefe Verbundenheit, die immerwährende Liebe und das Versprechen, in guten wie in schweren Zeiten zueinanderzustehen.
Der Tanz Jesajas
Zum Abschluss werden die Hände des Brautpaares symbolisch verbunden, und der Priester führt die beiden dreimal um den Tisch in der Mitte der Kirche. Diese Prozession wird oft „Tanz Jesajas“ genannt und steht für den gemeinsamen Lebensweg. Die Gemeinde singt dazu traditionell den Segenswunsch „Viele Jahre“, mit dem dem Paar ein langes, glückliches Leben gewünscht wird.
Tipps für die Planung
- Besprecht den Ablauf früh mit eurem Priester, denn Traditionen unterscheiden sich je nach Landeskirche und Gemeinde.
- Klärt, wer die Rolle von Kum oder Koumbaros übernimmt, denn diese Person hat in der orthodoxen Tradition eine besondere Bedeutung, oft ein Leben lang.
- Kronen, Kerzen und Kelch stellt in der Regel die Kirche. Fragt nach, ob ihr eigene Hochzeitskerzen oder Bänder mitbringen könnt.
- Die Zeremonie wird oft in der Sprache der jeweiligen Kirche gefeiert. Ein kleines Programmheft mit Erklärungen hilft Gästen, die die Liturgie nicht kennen.
Weitere Informationen
Allgemeine Informationen zu den orthodoxen Kirchen in Österreich findet ihr bei der Orthodoxen Bischofskonferenz in Österreich mit Sitz in Wien. Für eure Trauung wendet ihr euch am besten direkt an die Gemeinde eurer Landeskirche.
Häufige Fragen
Kann man orthodox heiraten, wenn der Partner katholisch oder evangelisch ist?
Ja, eine konfessionsverschiedene Ehe ist möglich, wenn der nicht-orthodoxe Partner ein getaufter Christ ist. Die Details klärt ihr mit dem Priester eurer Gemeinde.
Was bedeuten die Kronen bei der orthodoxen Hochzeit?
Die Kronen stehen für die Würde des Brautpaares, das gemeinsam eine Familie gründet, und für die Bereitschaft, füreinander da zu sein. Sie werden während der Zeremonie dreimal getauscht.
Wann darf man orthodox nicht heiraten?
In Fastenzeiten, etwa vor Ostern und Weihnachten, und an bestimmten Feiertagen finden keine Trauungen statt. Die genauen Termine erfahrt ihr in eurer Gemeinde.


